2010 09.03.
Leben

Nach den gerade bekannt gewordenen Missbrauchsfällen der letzten Zeit – zuletzt kam die Odenwaldschule in die Presse – bricht bei unseren Politikern mal wieder der blinde Aktionismus aus. Aber: Ist den Opfern mit hanebüchenen Ideen wirklich zu helfen?

Die Familienkristina Schröder und die Bildungsanette Schavan – pardon: Familienministerin Kristina Schröder und Bildungsministerin Anette Schavan (beide CDU) – haben jetzt eine ganz tolle Idee: Sie laden ein. Und zwar zu einem runden Tisch.

Runde Tische – das weiß man – sind der Heilige Gral der Diskussionsrunden. Weil ja der “runde” Tisch schon in der Diskussions-“Runde” drinsteckt. Außerdem – und das ist der viel entscheidendere Punkt – gilt auch hier einer der hehren Management-Grundsätze:

Und wenn man nicht mehr weiter weiß, macht man einen Arbeitskreis.

Ein Kreis ist rund, der Tisch auch – wir haben eine Übereinstimmung! Beste Voraussetzungen also, um völlig hirn- und sinnfrei Maßnahmen in die Welt zu posaunen. Wie sich das anhört, wenn Politiker sich im Vorfeld zu einem solchen Ereignis warmlaufen? Na, zum Beispiel so:

Da wird dann lautstark gefordert, man sollte Lehrer einem “Eignungstest” unterziehen. Gemeint ist damit leider nicht die fachliche und methodische Eignung, überhaupt einen Lehrberuf ausüben zu dürfen, nein: Es geht um einen Pädophilie-Test. Ein Test also, mit dem man künftig Pädophile vorab erkennen möchte, damit man ihnen erst gar nicht erlaubt, Lehrer zu werden. Neu ist die Forderung nicht: Der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnen-Verband (sic!), kurz BLLV, hat das schon im August 2009 gefordert. (In der Tat erwarte ich sogar, dass Zensursula am Runden Tisch Platz nehmen wird, um uns allen zu erklären, dass diese Missbrauchsfälle MIT einer Internet-Zensur NIEMALS stattgefunden hätten.)

Tolle Sache, so ein Test: Wir brauchen nur einen 100 %ig zuverlässigen Test, mit dem wir Pädophile erkennen können – dann können wir unsere Schulen davon befreien! Und wo wir doch grade dabei sind: Für Kindergärtner/innen sollte man sowas doch auch durchführen. Für Priester natürlich auch, und für Kinderärzte, Säuglingsschwestern, Hebammen… eben für Jeden, der beruflich mit Kindern zu tun hat.

Aber hey! Lasst uns doch visionär denken. Ich fordere: Tests für Alle!

Sehen wir doch mal den Tatsachen ins Auge: Beim Missbrauch von Schülern, Minestranten oder sonstwie Schutzbefohlenen handelt es sich ja AUCH um einen Missbrauch von Macht. Und ein Test, der eine Neigung zum Machtmissbrauch aufdeckt – also, DAS wäre wirklich toll!

So einen MISbrauchs-Test – kurz: MIST – könnten doch auch unsere Politiker gut vertragen. Vor Antritt eines Amtes müssen sie den Test niederlegen und beweisen, dass sie nicht vorhaben, die Macht ihres Amtes zu missbrauchen – zum Beispiel, indem sie Hotelbetten gegen Spenden subventionieren oder Unternehmer gegen Spenden in die Entourage einer Delegation bei einem Auslandsbesuch mitnehmen.

Hui – ob die derzeitige Regierung das unterstützen würde? Westerwelle So mancher Politiker würde einen solchen Test wohl für spätrömische Inkontinenz oder so ähnlich halten. Wird also leider nix werden.

Nachtritt:
So sehr ich mich auch hier über den Aktionismus der Beteiligten ärgere (und sie auch verspotte), ist es mir doch wichtig klarzustellen, dass mein Hohn nicht den Opfern gilt – ganz im Gegenteil. Was ihnen widerfahren ist, ist schlimm – und deshalb hoffe ich sehr, dass neben dem Ausbrüten dumpfer Ideen die Gerechtigkeit nicht vergessen wird. Mögen die Täter ihrer gerechten Strafe zugeführt werden – je schneller, desto besser. Zur Abwechslung stimme ich mit Frau Leutheusser-Schnarrenberger überein: Es sollte einen Ausgleich in Form von Geld geben. Nicht, dass man damit etwas ungeschehen machen könnte, aber Geldzahlungen sollte man den Verantwortlichen – nebst Haftstrafen – trotzdem auferlegen. Es wäre zumindest eine zusätzliche Entschädigung.

Liebe Politiker, liebe Frau Leutheusser-Schnarrenberger: Wenn ihr wirklich etwas verbessern wollt, dann fangt doch bei den Verjährungsfristen an – sowohl bei den zivil- als auch bei den strafrechtlichen Fristen gibt es hier Spielraum für Verbesserungen. Das wäre ein guter Anfang.

Geschrieben von Stefan

Tweet This!
Tags für diesen Artikel: , ,
263 Klicks

0 Trackbacks

  1. Keine Trackbacks

3 Kommentare

Ansicht der Kommentare: (Linear | Verschachtelt)
  1. Flo meint:

    Ich schlage zusätzlich noch den PCKSST (PC und Konsolen Spiele Spieler Test) vor, damit wir frühzeitig erkennen können, wer sich von Spielen beeinflussen lässt um frühzeitig zu verhindern, dass wir … äh die Spieler irgendwann den Bezug zur Realität verlieren.

    Ach und wenn wir schon dabei sind, wie wäre es mit einem Test ob wir uns durch Medien beeinflussen lassen? Dann könnten wir allen auch den Zugang zu allen Medien sperren. Oder lassen uns einfach in China eingliedern ;-)

  2. Stefan meint:

    Hmmm… gute Idee… Vielleicht könnten wir auch einen mandatorischen DAU-Test einführen, der vor Benutzung eines PCs durchzuführen ist? Ich meine, wenn wir über Kinder reden, könnten wir auch potentielle Eltern testen…

    Aber die Eingliederung in China – die ist doch fast schon Realität. Hier wird doch jedes Mal ein Riesentrara in den Medien gemacht, wenn in China ein Sack Reis umfällt. Und Zensursula hat uns ja so oder so schon nahe genug an China rangerückt…

    Wobei, hey: In KOMBINATION wäre das vereinigte Deutschland-China-Konglomerat DEFINITIV Export-Weltmeister.

  3. Christian meint:

    Zu den Missbrauchsfällen noch ein wichtiger Punkt.

    Die Kirche hat jetzt wohl einen Missbrauchsbeauftragten eingesetzt. Da fragt man sich doch: "Hat der Berufserfahrung?"

Kommentar schreiben


Umschließende Sterne heben ein Wort hervor (*wort*), per _wort_ kann ein Wort unterstrichen werden.

Um maschinelle und automatische Übertragung von Spamkommentaren zu verhindern, bitte die Zeichenfolge im dargestellten Bild in der Eingabemaske eintragen. Nur wenn die Zeichenfolge richtig eingegeben wurde, kann der Kommentar angenommen werden. Bitte beachten Sie, dass Ihr Browser Cookies unterstützen muss um dieses Verfahren anzuwenden.
CAPTCHA

Textile-Formatierung erlaubt